Qualität erkennen, ohne das Möbel gesehen zu haben

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Wer online kauft, entscheidet nach Fotos und einem Datenblatt. Die gute Nachricht: die Angaben, die etwas taugen, lassen sich an einer Hand abzählen. Die schlechte: sie fehlen oft genau dort, wo es darauf ankäme.

Nahaufnahme einer Möbelkante mit sichtbarer Kantenumleimung und einem Beschlag

Die kurze Antwort

Aussagekräftig ist jede Angabe, die eine Einheit hat, eine Bauart benennt oder sich auf ein genormtes Verfahren bezieht. Nichts aussagend ist jede Angabe, die nur eine Eigenschaft behauptet. “Massives Buchenholz, 25 mm” ist eine Angabe. “Hochwertige Verarbeitung” ist keine.

Die Angaben, die etwas taugen

Maße mit Einheit, und zwar alle. Nicht nur Breite und Höhe, sondern Plattenstärke, Sitzhöhe, Sitztiefe, Innenmaße bei Schränken. Fehlende Innenmaße sind bei Stauraummöbeln der häufigste Grund für eine Rücksendung.

Materialbezeichnungen mit Bauart. “Eiche massiv” ist etwas anderes als “Eiche furniert” und wieder etwas anderes als “Eiche Nachbildung”. Steht nur der Holzname, ist die Bauart offen, und das ist selten ein Zufall.

Kennzahlen mit Verfahren. Scheuertouren nach Martindale beim Polsterstoff, Raumgewicht in Kilogramm pro Kubikmeter beim Schaum, Emissionsklasse bei Holzwerkstoffen, Traglast in Kilogramm bei Gestellen und Auszügen.

Beschlagtypen. Vollauszug oder Teilauszug, gedämpfte Scharniere, Anzahl der Scharniere pro Tür, Art der Korpusverbindung. Wer hier konkret wird, hat üblicherweise etwas zu zeigen.

Ersatzteile. Die Frage, ob und wie lange Bezüge, Beschläge oder Motoren nachbestellbar sind, trennt Möbel, die man reparieren kann, von Möbeln, die man ersetzt.

Die Angaben, die nichts bedeuten

Wörter ohne Maßstab: hochwertig, robust, langlebig, extra stabil, edel, Premium. Sie sind nicht verboten und nicht gelogen, sie sind nur unprüfbar und deshalb für einen Vergleich wertlos.

Ebenso wenig aussagend sind Fantasienamen für Materialien und Oberflächen, wenn sie nicht zusätzlich sagen, woraus das Material besteht.

Was Produktfotos systematisch verschweigen

Fotos zeigen die Vorderseite und die Optik. Sie zeigen nicht die Rückwand, nicht die Kanten, nicht das Innenleben eines Polsters und nicht, wie ein Korpus verbunden ist. Detailfotos von Kanten, von der Schubladenverbindung und vom geöffneten Schrank sind deshalb ein gutes Zeichen, auch unabhängig davon, was sie zeigen.

Ein zweites Muster: Fotos in Wohnszenen enthalten fast immer Zubehör, das nicht im Preis ist. Beim Esstisch sind das die Stühle, beim Bett Matratze und Bettwäsche, beim Schreibtisch der Rollcontainer.

Was im Laden geht und online nicht

Ein Möbelhaus erlaubt drei Prüfungen, die online unmöglich sind: sich hineinsetzen, an einer Ecke anheben und eine Tür oder Schublade fünfmal bewegen. Das Gewicht verrät Materialdichte, das Bewegungsgeräusch verrät den Beschlag, und das Sitzgefühl nach zehn Minuten verrät mehr als jede Härteangabe.

Wer online kauft, ersetzt diese drei Prüfungen durch das Rückgaberecht. Deshalb gehört zur Kaufentscheidung immer die Frage, wie eine Rücksendung bei einem sperrigen Möbel praktisch abläuft und wer sie bezahlt.

Was wir nicht wissen

Wir kennen die Datenblätter der Anbieter nicht im Einzelnen und prüfen keine Angaben nach. Ob ein Hersteller seine Angaben einhält, können wir nicht sagen. Was hier steht, hilft dir, die richtige Frage zu stellen, nicht die Antwort zu ersetzen.

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